4 Sep 2017
BIG PICTURE

Sharing Economy: Warum teilen die Menschen gerade jetzt wieder mehr?

Schon unsere Mütter haben uns klar gemacht: Sachen mit anderen zu teilen ist eine gute Idee – so entsteht Gemeinschaft, effizienter Nutzen und auch Abwechslung. Daniel Bartel, Gründer sowie Experte für digitale Innovation und Entrepreneurship, erklärt im Interview warum sich seit einigen Jahren dieses Kinderzimmer-Konzept zunehmend auch in der deutschen Wirtschaft durchsetzt – unter dem Titel „Sharing Economy“.

Daniel, geteilt haben Menschen schon immer – warum denkst du bekommt das Teilen gerade aktuell so einen Auftrieb?

„Wir sind mitten in einem großen ökologischen und ökonomischen Wandel; Ressourcen werden verschwendet und gleichzeitig bemerken wir, dass wir Limits erreichen. Daher überlegen viele zweimal, ob sie eine Sache nun wirklich als Besitz brauchen, oder ob sie nicht auch durchs Teilen den gleichen oder sogar einen besseren Nutzen haben.

Das können wir heute besonders durch den Fortschritt der digitalen Technologien möglich machen – plötzlich haben wir Informationen und Zugang zu Dingen und Dienstleistungen, die es vorher nicht gab.

Darüber hinaus wird unsre Gesellschaft immer dynamischer und bunter – der Wunsch, sich nicht zu binden, sondern flexibel zu bleiben wird natürlich durch Besitz eher gehindert und findet daher eine Antwort in der Sharing Economy.“

Daniel ist Mit-Initiator der ursprünglichen Sharing-Plattform autonetzer.de und befähigt heute mit der Innovation Kickbox Mitarbeiter und angehende Selbstständige darin, innovative Produkte erfolgreich am Markt zu verproben.

 

Also geht es den meisten eher um einen monetären Aspekt?

„Der soziale Effekt – wie Nachhaltigkeit und Vernetzung mit anderen – spielt schon durchaus auch eine Rolle, aber nicht die wichtigste.

Es gibt schon eine Fraktion, die das antikapitalistisch sieht – Optimierung von Ressourcenverteilung, Schutz der Umwelt und ein Gemeinschaftsgefühl stehen für diese Menschen im Vordergrund.

Für viele liegt im Sharen allerdings die Möglichkeit für ein Nebeneinkommen – einen Zusatz zum bestehenden System, quasi als Optimierung des Kapitalismus. Nicht aber dessen Ersatz.

Und bei der Generation Y gehört das Teilen ganz natürlich zum Lebensstil: Einfach soll es sein, schnell, intuitiv und günstig. Hier lebt man auch mal eher langfristig in einer Wohngemeinschaft und hat andre Statussymbole, als die früheren.“

 

Was wird überraschender Weise viel geteilt?

„Was vielen nicht bewusst ist, ist das jede Menge Programmier-Code geteilt wird. Wenn über sogenanntes Open Source viele Entwickler zusammenarbeiten, kann etwas Großes entstehen, was keiner allein schaffen würde.

Spannend ist auch, dass manche Patente inzwischen geteilt werden. So hat beispielsweise Tesla-Chef Elon Musk manche seiner Patente freigegeben, damit die Internetgemeinde gemeinsam damit weiterarbeiten kann.“

 

Ist die Sharing Economy jetzt schon auf ihrem Zenit angekommen, oder wird das in der nächsten Zeit noch weiter verbreitet sein?

„Es handelt sich hier eher um eine langfristige positive Entwicklung – da gibt es noch Potential! Aufgrund unsrer aktuellen Situation wird es auch gar nicht anders gehen, als dass die Menschen mehr teilen.

Nur so kann sich die Weltbevölkerung langfristig weiter entfalten.

Außerdem gibt es weitere unterstützende Trends wie die New Work-Bewegung, bei der es um eine Rückkehr zur Menschlichkeit bei der Arbeit geht, um Sinnhaftigkeit und Selbstverwirklichung. Eine neue Mündigkeit, wenn man so will. Da schlagen große Teile der Sharing Economy in die gleiche Kerbe.“

 

Wie könnten noch mehr Menschen zum Teilen animiert werden?

„Durch eine Situation in der alles im Überfluss vorhanden ist – Wissen, Kontakte, Objekte – wollen wir uns nicht mit nervigen Prozessen auseinandersetzen.

Wer also ein Produkt oder einen Service für die Sharing Economy entwickeln will, sollte auf folgende drei Faktoren Wert legen:

Es sollte einfach sein – das motiviert nicht nur zur Nutzung, sondern auch zum Teilen der Info mit meinem Netzwerk.

Man muss den Nutzern einen Vertrauensvorschuss geben, an das Gute in den andren glauben und mit dieser positiven Grundhaltung zunächst davon ausgehen, dass mein Service pfleglich und gut behandelt wird.

Und als letztes brauchen wir die entsprechende Gesetzgebung und Versicherungen. Im Moment sind wir hier häufig in einer Grauzone unterwegs – da müssen wir raus.“

 

Und? Was denkst du? Was würde dich und deine Freunde dazu bewegen, noch mehr zu teilen? Gibt es etwas, was du niemals teilen würdest?