14 Jun 2017
car2go INSIGHTS

Gewusst? Was ist eine „Relocation“ und welche car2gos werden umgeparkt?

Täglich werden bei car2go gezielt Autos von Orten mit niedriger Nachfrage in Orte mit hoher Nachfrage gefahren. Genannt: „Relocation“. Um etwas besser zu verstehen, warum, wie genau und wann car2gos umgeparkt werden, wurde Clemens Kraus, Data Scientist bei car2go, zu dem Thema befragt.

Vor Kurzem wurde der Location Manager in Rom von einem Professor einer dortigen Universität angesprochen wie es denn sein könne, dass er sehr oft ein car2go dort hätte, wo er es bräuchte. Ob das einfach nur Glück wäre oder ob da mehr dahinter stecke.

Die Antwort lautet: Ja, es steckt mehr dahinter. So wie im geht es vielen Membern, daher hat Clemens Antworten auf die häufigsten Fragen gegeben.

 

Clemens, werden Autos relocated während wir uns hier unterhalten?

Clemens: Ja, wir relocaten in allen car2go Städten mehrere Stunden am Tag. Global gesehen werden also zu jedem Zeitpunkt irgendwo Relocations gefahren.

Und das ist auch wichtig, um für unsere Member die Autos dort hinzubringen, wo sie sie brauchen (roter Bereich auf der Karte). Würden wir hier nämlich nichts machen, stünden die car2gos über kurz oder lang alle dort, wo es keine Nachfrage gibt (grüner Bereich auf der Karte).

Warum stehen viele car2gos „falsch“?

Clemens: Es zeigt sich, dass üblicherweise mehr Kunden von der Innenstadt in die Außenbezirke fahren als umgekehrt. Wenn wir also nicht eingreifen würden, wären irgendwann fast alle Autos in den Außenbezirken. Das wäre natürlich für den Kunden sehr frustrierend.

 

Gibt es hier große Unterschiede in den verschiedenen Städten?

Clemens: Grundlegend werden die Relocations inzwischen in allen Städten nach der gleichen Logik gefahren.

Die haben wir vor ca. einem Jahr neu entwickelt und dann sukzessive in alle Locations ausgerollt. Natürlich gibt es aber für jede Stadt einige Spezifika, die wir beachten.

 

Wie sieht die Relocation-Logik aus?

Clemens: Im Endeffekt geht es vor allem darum die Nachfrage möglichst genau abzuschätzen, also wo genau in den nächsten Stunden Autos benötigt werden – und wo nicht.

Wir benutzen hierfür einen relativ komplexen Algorithmus, in den wir neben historischen Daten auch externe Informationen wie Events oder Wetter einspeisen.

 

Wie kommt das Auto dann aber praktisch von einem Ort zum anderen?

Clemens: Wir haben in jeder Stadt Service Teams, die die Autos umparken. Dabei werden die Ergebnisse aus dem Algorithmus in einer App visualisiert, die Relocator wissen also genau welche Autos sie von wo nach wo fahren sollen.

Operativ läuft es dann üblicherweise so ab, dass ein Team in einen Außenbezirk mit Überangebot fährt. Dort holen sie die Autos ab und fahren sie ins Zentrum, wo hohe Nachfrage besteht.

 

Lohnt sich der Aufwand der Relocation?

Clemens: Zunächst einmal ist es wichtig mit car2go ein Produkt zu haben, auf das sich die Kunden verlassen können.

Daher freut es uns sehr, dass wir viele zusätzliche Kunden damit glücklich machen konnten, ihnen ein car2go zur Verfügung zu stellen –  dort, wo es sonst keines gegeben hätte. Und glückliche Kunden sind natürlich auch gut für uns.

 

Wie kann es dann sein, dass trotzdem manchmal kein car2go im Umkreis gefunden werden kann?

Clemens: Für das Member ist es natürlich erstmal ärgerlich. Es zeigt aber auch, dass das Konzept an sich sehr gut angenommen wird und es immer mehr Member gibt, die car2go nutzen wollen.

Gerade in der Rush-Hour ist es unseren Service Teams leider nicht immer möglich genügend Fahrzeuge an die Hotspots zu bekommen.

Wir sehen gerade an Flughäfen und in der Innenstadt zu bestimmten Uhrzeiten, dass uns die Autos nach den Relocations regelrecht aus den Händen gerissen werden.

Bis sich die Teams dann durch den Stau gekämpft haben, um wieder neue Fahrzeuge an diese Orte zu bringen, stehen leider keine Fahrzeuge zur Verfügung.

Wir arbeiten allerdings daran, diese Probleme noch besser zu lösen.

 

Braucht man noch Relocations, wenn die Autos selbst also autonom fahren?

Clemens:  Definitiv! Grundsätzlich bleibt die Fragestellung die gleiche, egal ob die Autos autonom fahren oder ob wir sie mit Service Teams umparken.

Auch im autonomen Fall will der Kunde möglichst schnell ein Auto zur Verfügung haben. Und das erreichen wir nur, wenn wir die Nachfrage antizipieren und schon frühzeitig ein Fahrzeug in seine Richtung schicken.

 

Noch einmal zurück zum Professor: Was würdest Du ihm raten, wenn er mal kein Auto zur Verfügung hat?

Clemens: In der car2go App gibt es die Möglichkeit einen Radar zu setzen. Dann wird man sofort benachrichtigt, sobald ein Auto im Umkreis verfügbar ist.

Ein Feature, das ich selber sehr oft benutze und das mir schon oft eine Fahrt ermöglicht hat.

 

Danke Clemens für das Interview! Habt ihr noch Fragen zum Thema Relocation? Wusstet ihr dass car2gos überhaupt umgeparkt werden?