6 Mrz 2016
BIG PICTURE

Mehr Parkplätze in der Stadt durch Carsharing?

Mobilität ist einer der Hauptaspekte nachhaltiger Stadtentwicklung: Kaum etwas nimmt so viel Einfluss auf die Lebensqualität wie der Stadtverkehr. Carsharing kann dabei den Traum von autofreien Städten zumindest teilweise wahr werden lassen.

Fragt man Stadtplaner Jan Gehl, sind alte Menschen und Kinder auf der Straße das beste Indiz dafür, wie lebenswert eine Stadt ist. Erst breite Fußwege sowie weniger Verkehr machen einen urbanen Raum für alle sicher und wohnlich.

In vielen urbanen Zentren versuchen die Bezirksämter mit Parkraumbewirtschaftung den öffentlichen Raum zumindest teilweise zurückzugewinnen. Zukunftsweisende Bauprojekte gehen auf dem Weg zum Wohnen ohne Auto noch einen Schritt weiter und schaffen die Parkplätze einfach ab.

Dafür muss allerdings die Stellplatzpflicht für Bauherren im Einzelfall aufgehoben werden. Nur wenn die Bewohner sich dazu bereit erklären, private Autos zu reduzieren oder ganz abzuschaffen, entfällt diese Pflicht und ein autofreies – oder zumindest autoreduziertes – Wohnen ist möglich.

Ein geringeres Verkehrsaufkommen macht solche Wohnquartiere besonders für Familien immer attraktiver. Bauunternehmer kooperieren daher eng mit Carsharing-Anbietern, um trotz weniger Autos und Parkplätzen eine bequeme Mobilität für alle Bewohner zu gewährleisten.

Autofreies Wohnen als Ziel moderner Stadtentwicklung

Die Siedlung Freiburg-Vabaun war eines der ersten großen Projekte für autofreies Wohnen in Deutschland. Das Quartier darf zwar mit dem Auto für Einkäufe und Notfälle befahren werden, parken dürfen die Bewohner aber nur außerhalb des Geländes.

Zudem kann jeder Haushalt etwa 14.000 Euro sparen, wenn er auf ein eigenes Auto verzichtet und zum Beispiel auf das gut ausgebaute Carsharing-Netz im Stadtteil umsteigt. So viel kostet nämlich der obligatorische Stellplatz am Rande der Siedlung, den jeder Autobesitzer selber bezahlen muss.

Ohne Verkehrslärm und Wildparker leben auch die Bewohner vom Stellwerk 60 in Köln Nippes und der Hamburger Klimaschutzsiedlung Klein Borstel. Mehr unversiegelte Grünflächen und eine gute Anbindung an den ÖPNV und Carsharing-Angebote lassen hier das Leben auf den Straßen erblühen. Jan Gehl würde das gefallen.

Kennt ihr auch Viertel, in denen das Parken ein Problem ist? Wie würdet ihr den freien Raum gestalten, wenn eure Nachbarschaft autofrei wäre?

Beitragsbild: fb14cc74788cf6d89610fa0245233323 von carrotmadman6, CC BY 2.0