1 Apr 2015
BIG PICTURE

Sharing Economy: Essen teilen statt wegwerfen

Der Gedanke des Teilens ist nicht neu und lässt sich – sowohl kommerziell als auch nicht-kommerziell – auf viele verschiedene Bereiche übertragen: Wohnungen, Werkzeuge, Küchenutensilien und auch Essen. Warum soll etwas im Schrank oder im Supermarktregal vergammeln, wenn es andere gut gebrauchen können? Was für die Bohrmaschine natürlich nur im übertragenen Sinn gilt, ist beim sogenannten Foodsharing wortwörtlich gemeint.

Der Universität Stuttgart zufolge werden alleine in Deutschland jährlich 11 Millionen Tonnen Lebensmittel weggeworfen. Das Bundesministerium für Ernährung geht sogar davon aus, dass es bis zu 20 Millionen Tonnen sein könnten.

Das sind 30 bis 50 Prozent aller erzeugten Lebensmittel! Der Großteil davon ist jedoch nicht unbedingt verdorben: Mal ist in einer Packung Tomaten eine einzige geplatzt, sodass die ganze Packung von keinem Kunden mehr angerührt wird.

Mal ist nur das Mindesthaltbarkeitsdatum abgelaufen, weshalb die Ware nicht mehr verkauft werden darf. Manchmal hat man einfach selbst zu viel eingekauft oder der Kühlschrank ist noch voll und morgen soll es in den Urlaub gehen. Wohin also mit dem Essen?

Valentin Thurn, der Regisseur des Dokumentarfilms ‚Taste the Waste‘, wollte die Verschwendung von Lebensmitteln in Deutschland nicht mehr hinnehmen und suchte nach Wegen, gegen den riesigen Müllberg und die damit verbundenen massive Überproduktion vorzugehen.

Er gründete mit anderen Freiwilligen Foodsharing-Gemeinschaften, die es mittlerweile in ganz Deutschland gibt. Thurn und seine Mitstreiter überlegten sich, wie sie Essen am besten retten können, bevor es verdirbt, und ersannen zwei simple, aber effektive Wege.

Sie gründeten die Webseite foodsharing.de, die wie ein Marktplatz funktioniert. Hier kann jeder, der Lebensmittel übrig hat, diese zum Abholen anbieten.

Die zweite Möglichkeit sind feste ‚Hotspots‘, die Fairteiler genannt werden. An den Hotspots stehen öffentlich zugängliche Kühlschränke, in die man abzugebende Lebensmittel hineinlegen und natürlich auch mitnehmen kann.

Diese Kühlschränke füllen sich, wenn jemand etwas übrig hat, oder wenn sich die freiwilligen Helfer der Foodsharing-Gemeinschaften ans Werk machen.

Sie fahren durch die Stadt und holen aus Bioläden, Supermärkten oder Imbissen alles ab, was noch essbar ist, oder sie haben selbst noch genug zu Hause.

Einige füllen die Kühlschränke, indem sie „containern“ gehen: Sie wühlen nachts in den Mülltonnen von Supermärkten – eine umstrittene und bisweilen sogar illegale Praxis.

Foto: Oliver Hallmann CC BY 2.0, zugeschnitten

Foto: Oliver Hallmann CC BY 2.0, zugeschnitten

Wer Lebensmittel benötigt, kann diese also kostenlos entweder direkt bei den Menschen abholen, die diese im Internet inseriert haben, oder er bedient sich einfach selbst an einem der öffentlichen Kühlschränke. So landet das Essen dann doch noch auf dem Teller anstatt auf der Müllkippe.

Vertrauen ist alles

Wer sich engagieren will, muss sich auf foodsharing.de anmelden. Nach einer Prüfung kann man loslegen und Lebensmittel aus den teilnehmenden Betrieben retten. Vertrauen ist hier die wichtigste Grundlage: die Namen der Geschäfte, die Brot, Joghurt, Obst oder Gemüse verschenken, müssen (leider) geheim gehalten werden.

Es gibt zwar einen Haftungsausschuss, den alle Lebensmittelretter akzeptieren müssen und der von zwei Anwaltskanzleien so ausgelegt worden ist, dass alle Lebensmittelspenderbetriebe von jeglicher Verantwortung, auch von Fahrlässigkeit, rechtlich befreit sind. Bisher liegt jedoch keine abgesicherte juristische Grundlage für das Verschenken von Lebensmitteln vor.

Am 12. Dezember 2014 feierte die Bewegung in Deutschland übrigens ihr zweijähriges Bestehen. Nach eigenen Angaben hat sie in dieser Zeit Lebensmittel im Wert von über 3 Millionen Euro gerettet und verteilt.

Man kann also mit der erfolgreichen Sharing-Economy nicht nur Geld sparen, sondern gleichzeitig etwas für die Umwelt tun.

Was haltet ihr von diesem Sharing Economy Trend? Welche Erfahrungen habt bereits beim Foodsharing gesammelt? Wie kann man als Foodsharer in eurer Stadt aktiv werden? Lasst es uns in den Kommentaren wissen!

Beitragsbild: Veggies reprised von Jessica Spengler, CC BY 2.0, zugeschnitten