17 Nov 2013
car2go INSIGHTS

5 Jahre car2go: Eine Evolution

Im dritten Teil unseres Interviews erzählt uns Robert Henrich, was in den letzten fünf Jahren passierte und wie aus dem Pilotprojekt der internationale Service car2go wurde. Wir sprechen über seine bewegendsten Momente und was der Erfinder von car2go und Geschäftsführer der Daimler Mobility Service GmbH aus heutiger Sicht anders gemacht hätte…

car2go Team: In den nächsten Jahren wuchs car2go rasant weiter. Ihr habt eigentlich nie „den Fuß vom Gas genommen“. Was war für Dich der wichtigste Meilenstein der vergangenen Jahre?

Robert Henrich: Das ist gar nicht so leicht zu sagen … irgendwie steckt es in der DNA unseres Unternehmens, dass wir selten – vielleicht zu selten? – von der Arbeit aufschauen, einen Schritt zurücktreten, und uns über Erfolge freuen.

Wer nicht den Mut hat, Rückschläge einzustecken, darf gar nicht erst aufs Spielfeld treten!

Ich kann mich persönlich an einige Momente erinnern, die mich wirklich bewegt haben in diesen fünf Jahren.

Zum Beispiel, als wir den zweiten Pilotstandort Austin für die Öffentlichkeit eröffnet haben. Das war ein kleines Open Air-Fest mit Livemusik und Registrierungsevent.

In der texanischen Sonne hat sich schnell eine großartige Atmosphäre eingestellt. Viele Menschen sind gekommen, haben sich registriert und car2go gefeiert.

Mir kam in diesem Moment der Gedanke, dass car2go, wenn wir es erfolgreich umsetzen, für viele Menschen einen kleinen Unterschied in ihrem Leben machen wird. Das fand ich sehr bewegend.

Ein paar Mal hat es solche Momente auch später noch gegeben – bei Rollouts und Pressekonferenzen oder bei Veranstaltungen, wenn ich mal die Gelegenheit hatte, ein bisschen am Rande zu stehen und alles zu beobachten, zum Beispiel in Amsterdam oder Berlin.

Das Plakat aus Austin – „Rock, Register and Drive“ – hängt übrigens immer noch in meinem Büro.

Die Band The Black and White Years (machen Indie Art Rock und kommen aus Austin) waren beim „Rock, Register and Drive“-Fest dabei.

car2go Team: Bei dem Rollout welcher Stadt hat es am meisten „gekribbelt“?

RH: Ich war sehr aufgeregt, als wir in Hamburg an den Start gegangen sind: Dies war die erste Stadt, in der wir uns zum Ziel gesetzt hatten, nicht nur die Akzeptanz und die technische Machbarkeit des Konzeptes unter Beweis zu stellen, sondern auch kommerziell erfolgreich zu sein.

Hamburg war auch die erste Stadt, die wir zusammen mit unserem Partner Europcar ausgerollt haben.

Zugleich war klar, dass wir nun „erwachsen“ waren und ein neues Qualitätsniveau erreichen mussten – auf Basis einer neuen Telematik-Generation, die wir wiederum mit einer äußerst knappen Zeitleiste entwickelt hatten.

Eine Serie von Testfahrten, die wir in der Zeit vor dem Rollout durchgeführt hatten – oder vielmehr erfolglos durchzuführen versucht hatten – ließen keinen Zweifel daran, wie angespannt die Situation war.

Dennoch – in einer gemeinsamen Aktion haben wir die Fahrzeuge dann doch rechtzeitig fertig bekommen.

Viele Kollegen haben damals geholfen, vor Ort in Hamburg bis unmittelbar vor Start des Betriebes Fahrzeuge aufzurüsten – und selbst eine Kollegin aus dem Bereich Business Innovation, nämlich Meltem, hat spontan ihre Projekte liegengelassen und ist mit nach Hamburg gereist, um uns tatkräftig zu unterstützen.

Hamburg ist dann schnell hochgelaufen, erwirtschaftet heute positive Deckungsbeiträge – und Meltem ist fester Bestandteil unseres Teams geworden.

car2go Team: Wie kommt es, dass eine so disruptive Innovation wie car2go in einem so traditionellen Unternehmen wie der Daimler AG geboren wird und sich so erfolgreich entwickelt?

RH: Zweifel, ob Großunternehmen disruptive Veränderungen hervorbringen können, liest man häufig. Aber ganz ehrlich: Ich halte sie für einen großen Irrtum. Meine persönliche Überzeugung ist:

Jeder, der etwas Neues schaffen will, sollte sich an seine eigene Nase fassen und loslegen.

Ein Großunternehmen wie Daimler bietet schon allein wegen seiner Vielfalt an Ressourcen – wie technisches, betriebswirtschaftliches und rechtliches Know-How, Marketing, Kommunikation, Funding – allemal gute Voraussetzungen dafür.

Dass gegenüber einem Start-up mehr „formaler Überbau“ existiert, liegt in der Natur der Sache und wird meines Erachtens überbewertet.

Wer alleine erlebt hat, wie eine Daimler Visitenkarte weltweit Türen öffnet, weiß, dass der „formale Überbau“ ein kleiner Preis ist im Vergleich dazu, als „Nobody“ außerhalb eines Großunternehmens an neuen Ideen zu arbeiten.

Nachdem die Daimler AG uns seit fünf Jahren Vertrauen schenkt und signifikante Investments in car2go getätigt hat, kann ich aus voller Überzeugung sagen: Es gibt keine externe Konstellation, in der es leichter gewesen wäre, mit car2go erfolgreich zu werden.

car2go Team: Gibt es Dinge, die Du aus heutiger Sicht anders machen würdest?

RH: Ja, vieles (lacht). Wir haben unterwegs unzählige Fehler gemacht.

Und ich gebe offen zu: Ich ärgere mich über jeden einzelnen von ihnen. Fehler sind wie ein Gegentor, das kassiert kein Sportler gern!

Andererseits gehören Fehler zum Neu-Aufbau eines Geschäftsmodells dazu wie Gegentore zum Fußball.

Wer nicht den Mut hat, Rückschläge einzustecken, darf gar nicht erst aufs Spielfeld treten!

Aus meiner Sicht ist wichtig ist, dass man offen über Fehler spricht, konsequent aus ihnen lernt und denselben Fehler kein zweites Mal macht. Dann haben sie durchaus ihr Positives.

Wenn es uns gelingt, in der Daimler Mobility Services eine Kultur entlang einfacher Regeln wie: „Wir reden offen über Fehler – wir lernen aus Misserfolgen – wir entscheiden ohne Ansehung von Personen auf Basis sachlicher Argumente“ – zu verankern, dann haben wir für die Zukunft unseres Unternehmens viel gewonnen!

The Lemurs standen ebenfalls auf der „Rock, Register and Drive“-Stage in Austin.

Robert Henrich war Teil vielzähliger Roll-Outs in den unterschiedlichen Städten. Welche Band würdest du gerne live erleben?