13 Nov 2013
car2go INSIGHTS

5 Jahre car2go: Der Start

Fünf Jahre ist es her, dass car2go mit einem Pilotprojekt in Ulm an den Start gegangen ist. Wir blicken gemeinsam mit Robert Henrich, Erfinder von car2go und Geschäftsführer der Daimler Mobility Services GmbH, zurück. Der Start des Pilotprojekts stand im Zeichen von Start-up-Spirit und Risikobereitschaft. Wie ging es weiter?

car2go Team: Das hat sich sicherlich in den nächsten Wochen weiter fortgesetzt. Oder war das dann ein sogenannter „Selbstläufer“?

Robert Henrich: Nicht wirklich. Anfangs hatten wir ja noch keine richtigen operativen Prozesse, sondern haben uns um alles selbst gekümmert. So hatten wir beispielsweise kein Callcenter und keinen Customer Service.

Als dann der erste Ansturm von Kunden auf uns zurollte und wir zu Beginn der Weihnachtspause 2008 plötzlich mehrere tausend Emails im Posteingang hatten, haben wir erst gemerkt: Oha, es kommt richtig Last auf das System.

Also haben wir die Ärmel aufgekrempelt, die E-Mails nach Anfangsbuchstaben im Team aufgeteilt und jeder hat bei der Beantwortung geholfen.

Ich denke, Start-Up-Spirit und Risikobereitschaft waren wichtig in der Phase, in der wir uns damals befanden.

Hinzu kam: Die erste Generation unserer Telematik hatte noch Kinderkrankheiten. Wir sind daher im Weihnachtsurlaub reihum nach Ulm gefahren, um – wie wir es genannt haben – „blaue Autos zu fixen“, also Fahrzeuge, die sich im Servicemodus befanden.

Es war ein sehr kalter Winter und wir hatten vor allem mit entladenen Batterien zu kämpfen. Also hatten wir alle immer Werkzeug und ein paar volle Ersatzbatterien im Kofferraum – ach ja, und natürlich einen USB-Stick:

Denn wenn die Telematik abgestürzt war, konnte man im Fußraum der Beifahrerseite ein verborgenes Kabel herausziehen und das Gerät damit neu „flashen“.

So ging das einige Monate. Ich selbst habe in dieser Phase regulär um 5 Uhr morgens angefangen zu arbeiten: Ich bin immer um 4 von Stuttgart nach Ulm gefahren und habe die ersten drei Stunden Fahrzeugservice gemacht.

Um 8 habe ich dann den normalen Arbeitstag begonnen. Erst mit der Zeit hat sich alles professionalisiert und wir haben für die einzelnen Aufgaben entsprechende Teams aufgebaut.

Für das Unternehmen hat sich übrigens gerade die „wilde Anfangsphase“ als großer Vorteil erwiesen: Da ausnahmslos jeder Mitarbeiter überall angepackt hat, wo Not am Mann war, kannte eben auch jeder das Produkt bis ins letzte Detail in- und auswendig.

Das hat unsere Diskussionen sehr effizient gemacht. Die ganze Organisation hat sich mit wenig Worten verstanden – denn jeder wusste aus eigener Anschauung immer sofort, wovon der andere redet.

car2go Team: Hättest Du geahnt, dass car2go so „einschlägt“?

RH:
Natürlich habe ich es gehofft – sicher konnte ich aber nicht sein. Allerdings konnte man von allen Seiten ein reges Interesse an unserem Projekt spüren.

Die Gerüchte, dass wir Fahrzeuge irgendwie automatisch anmietbar machen würden, hatten sich schnell verbreitet.

Als dann die ersten Versuchsfahrzeuge am Oberen Eselsberg in Ulm standen, konnte man beobachten, wie Kollegen um sie herumschlichen und einzelne sogar Führerschein, Personalausweis, Scheckkarten usw. auf den Kartenleser gelegt haben, um zu sehen, ob irgendwas passiert.

Da haben wir angefangen zu erahnen, dass unsere Idee die Menschen bewegen könnte.

car2go Team: 2009 wurde der Pilotversuch für die allgemeine Öffentlichkeit geöffnet. Wie wurde car2go von den Kunden aufgenommen?

RH: Wir wurden förmlich überrannt. Es war unmöglich, mit dem Registrieren hinterherzukommen. Wir haben alle im Shop, der sich damals im Untergeschoss des Ulmer Stadthauses befand, ausgeholfen.

Dennoch stand die Schlange der Wartenden die Treppe hoch bis in das Erdgeschoss. Die Kunden sind teilweise zu den Fahrzeugen gerannt, weil sie unbedingt noch ein Auto bekommen wollten… es war unbeschreiblich.

Wir haben erst im Laufe von einigen Wochen realisiert und gedanklich verarbeitet, welch großes Interesse car2go hervorruft und welche Chancen sich daraus für das Unternehmen ergeben.

car2go Team: Wie haben die ersten Kunden auf den Service reagiert?

RH: Vom ersten Tag an haben wir sehr viel Sympathie und Begeisterung erfahren. Das hat das ganze Projekt dann auch getragen – denn natürlich war immer noch vieles unfertig und wir waren zunehmend überlastet.

2009 hatten wir ja noch keinen F/C-Bereich, keinen Legal-Bereich, keinen HR-Bereich, ja noch nicht mal eine Rechnungslegung – ich habe damals noch selbst jeden Monat alle Kunden-Rechnungen auf meinem Laptop generiert und die wöchentlichen Statistiken berechnet.

Die Begeisterung der Kunden hat unserem Team in dieser Zeit viel Kraft gegeben und uns zugleich geholfen, unser Produkt weiterzuentwickeln.

Wir haben damals oft Kunden zum Essen eingeladen und mit ihnen Workshops durchgeführt:

Was hat ihnen gefallen und was nicht? Was ist ihnen aufgefallen während der Nutzung? Was würden sie anders machen? Die Kunden in Ulm haben dies immer begeistert unterstützt und uns manchen Fehler nachgesehen. Danke, Ulm!

car2go Team: Das Kundenfeedback ging also quasi direkt in die Entwicklung mit ein?

RH: Ja, absolut! Wir hatten anfangs nur einen begrenzten Funktionsumfang, und es war wichtig, von den Kunden zu lernen, in welche Richtung sie die weitere Entwicklung vorangetrieben haben wollten.

Wie waren eure ersten Erfahrungen mit car2go? Seid ihr neugierig und probiert neue Innovationen direkt aus? Teilt eure Geschichten und Erfahrungen mit uns! Nutzt hierfür die Kommentarfunktion direkt unter dem Blogeintrag.