8 Nov 2013
car2go INSIGHTS

5 Jahre car2go: ein Blick zurück

Vor genau fünf Jahren ist car2go mit dem ersten Pilotversuch in Ulm an den Start gegangen. Viel ist in der Zwischenzeit passiert. In dieser Serie lassen wir mit Robert Henrich, Erfinder von car2go und Geschäftsführer der Daimler Mobility Services GmbH, die vergangenen Jahre Revue passieren und wagen einen Blick in die Zukunft.

car2go Team: Über Umwege lernt man die Welt kennen. Welchen hast du genommen, um auf die Idee für car2go zu kommen?

Robert Henrich: Ich wünschte, ich könnte dir die car2go-Version der „HP Garagen Story“ liefern: Dass sich ein paar coole Leute einschließen und schwören, nicht wieder herauszukommen, bis sie etwas Weltbewegendes erfunden haben.

Doch so war es nicht bei car2go. Ich gehörte im Jahr 2007 zu den Gründungsmitgliedern des Bereiches Business Innovation der Daimler AG, und wir saßen an einem regnerischen Herbsttag zwischen Kartons in einem noch spärlich möblierten Gebäude in Untertürkheim und haben bei lauwarmen Kaffee überlegt, welche langfristigen Trends für Automobilhersteller bedeutsam werden und welche Geschäftsfelder sich daraus für Business Innovation ergeben.

Bei dieser Tasse Kaffee kam die Frage auf, wie sich der Innenstadtverkehr in Zukunft entwickeln wird.

Sind Auto-Vermietkonzepte ein potenzieller Massenmarkt? Wie kann man den Verleih von Fahrzeugen automatisieren?

Warum fristet Carsharing noch ein Schattendasein als Nischenprodukt?

Diese Fragen wollten wir direkt weiterverfolgen. Meine Kollegen haben sich nach einigen Tagen dann doch auf andere Projekte fokussiert. Ich aber fand das Thema einfach faszinierend – und diese Faszination ist bis heute geblieben.

car2go Team: car2go feiert gerade 5-jähriges Bestehen. Was war dein persönlicher „Projekt Kick Off-Termin“?

RH: Die Idee zu car2go ist  im September 2007 entstanden. Ich habe zunächst versucht alles zu erfassen, was es über Carsharing an verfügbaren Informationen gab.

Meine erste Präsentation und den ersten Business Case habe ich heute noch. Der Arbeitstitel war „City Smart“, weil schon damals erkennbar war, dass der smart fortwo das ideale Carsharingfahrzeug für die Großstadt ist.

Im Dezember 2007 habe ich die Idee dann während eines Business Innovation Workshops präsentiert und bin auf sehr positive Resonanz gestoßen. Ab da habe ich mich nur noch um „City Smart“ gekümmert.

car2go Team: Wie ging es dann weiter?

RH: Anfang 2008 wurde das „CitySmart“-Projekt offiziell  gestartet – mit mir als einzigem Mitarbeiter. Zum Glück kamen bald die ersten Mitstreiter  dazu – wie beispielsweise Helmuth und Rainer, die beide  bis heute eine wichtige Rolle im Unternehmen spielen.

Die erfolgreiche Zusammenarbeit mit der Daimler TSS GmbH hat in dieser Zeit begonnen. Und Mitte des Jahres standen auch der Name „car2go“ und unser Motto „Immer und überall einfach einsteigen und losfahren“ fest.

Wir alle waren begeistert von der Idee, Stadtbewohnern erstmals ein Produkt bieten zu können, das die Flexibilität und Verfügbarkeit eines eigenen Autos ermöglicht – ohne ein eigenes Auto zu besitzen.

Natürlich war die Anfangszeit sehr wild.

Unser kleines Team war im „Startup-Modus“ – und entsprechend vollgepackt waren unsere Arbeitstage.

Nur durch einen besonderen Kraftakt aller Beteiligten war es möglich, innerhalb von 6 Monaten die erste Telematik-Generation und den car2go Prototypen zu entwickeln. Das hatten viele damals für unmöglich gehalten.

car2go Team: Wie wurde die Idee zu car2go damals Daimler-intern aufgenommen?

RH: Die Idee hat polarisiert, es gab das ganze Spektrum von Begeisterung bis Ablehnung. Die Befürworter waren bald in der Überzahl, aber gerade der Gegenwind war wichtig, um uns selbst kritisch zu hinterfragen und das Konzept weiter auszufeilen.

Auch Jerôme Guillen, der damalige Leiter  des Bereiches Business Innovation, hat das Projekt durch seine kritisch-fordernde Art sehr vorangebracht.

Besonders gut erinnere ich mich an die erste Präsentation beim Daimler Vorstandsvorsitzenden Dr. Zetsche.

Wir hatten einen smart fortwo in das Foyer des damaligen Vorstandsgebäudes in Untertürkheim gestellt – feierlich mit einem weißen Tuch verdeckt.

Die Marke „car2go“ und das Design der Fahrzeuge war gerade von Christian fertig gestellt worden, und es war uns gelungen, in England die URL „car2go.com“ zu erwerben.

Die Technik war noch nicht fertig, also haben wir aus Pappe eine Touchscreen-Attrappe gebaut und jeden „Screen“ des Mietablaufes auf Pappkarten gemalt.

Dann haben wir Dr. Zetsche gebeten, den car2go Prototypen offiziell zu enthüllen – und ihm anhand des Papp-„Screenflows“ das Konzept erklärt.

Dies hat er sehr wohlwollend aufgenommen, obwohl ich sagen muss, dass das aus heutiger Sicht alles sehr rau und unfertig war.

car2go Team: Am 21.10.2008 – ein gutes Jahr nach der Ideenfindung – fand die Pressekonferenz zum Start des internen Piloten statt. Beim internen Pilot wurde car2go von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern am Daimler Forschungsstandort Ulm erstmals unter realen Bedingungen getestet. Wie ging es dir an diesem Tag?

RH: Ich erinnere mich noch gut an den Start des internen Piloten und auch an die Pressekonferenz.

Wir alle haben damals wenig geschlafen.

Natürlich ging die Generalprobe total schief – aber wir hatten uns sagen lassen, dass das beim Theater ein gutes Zeichen ist.

Wie auch immer: Ich war damals sehr aufgeregt, dies war ja meine erste Pressekonferenz, und der Daimler Kommunikationsbereich hatte gleich eine ziemlich große Veranstaltung daraus gemacht.

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Schon seit dem Vortag waren Heerscharen von Handwerkern mit dem Aufbau beschäftigt, während wir selbst und die TSS bis wenige Stunden vor Beginn der Pressekonferenz an den Fahrzeugen gebastelt und gehofft haben, dass es dann gleich funktionieren möge.

Letztlich hat alles geklappt und allen viel Spaß gemacht … Ich denke, Start-Up-Spirit und Risikobereitschaft waren wichtig in der Phase, in der wir uns damals befanden. Ohne Leidenschaft kann eben nichts Neues entstehen!

Welche Erinnerungen hast du an deine erste Fahrt mit car2go? Wir freuen uns über deinen Kommentar.