15 Apr 2009
BIG PICTURE

Was ist free-floating carsharing

Ist car2go ganz gewöhnliches carsharing – wie es manchmal zu lesen ist – oder doch eine grundlegende Weiterentwicklung des gemeinschaftlichen Autoteilens, die es rechtfertigt von einem neuartigen Mobilitätskonzept zu sprechen?

Schauen wir uns zunächst das „klassische“ carsharing (gewissermaßen die Version 1.0) an:
In Deutschland seit 1988 präsent, ist es hierzulande oft hervorgegangen aus der Ökologiebewegung.

Neben einigen großen carsharing Organisationen wie Stadtmobil, cambio carsharing, Greenwheels oder der Deutschen Bahn (DB Carsharing) gibt es viele kleinere Organisationen, häufig mit Vereinscharakter. Diese kleinen Organisationen haben in der Regel auch nur kleine Fahrzeugflotten.

Die Fahrzeuge sind auf fest angemieteten Parkplätzen über eine Stadt oder einen größeren Ort verteilt, häufig an gut erreichbaren Knotenpunkten.

Die Fahrzeuge müssen vorab reserviert werden und die Nutzer beteiligen sich meistens über eine Aufnahmegebühr und/oder Monatsbeiträgen an den anfallenden Anschaffungs- und Unterhaltskosten.

Wollen die Kunden (oder Mitglieder) das carsharing nutzen, müssen sie den genauen Nutzungszeitraum und das gewünschte Fahrzeug angeben und zu einer bestimmten Ausleihstation gehen, von der sie das Fahrzeug mitnehmen und nach Gebrauch auch wieder abstellen.

Häufig findet sich inzwischen gerade bei den größeren Anbietern wie dem in den USA erfolgreichem ZipCar, dem Sixti Car Club in Deutschland und der neuen DB Carsharing Variante „Flinkster“ auch die fortschrittliche Fassung des Carsharing (hier vielleicht als Version 1.5 zu bezeichnen).

Mehr Flexibilität für den Kunden

Die Verbesserung gegenüber der klassischen Variante ist die größere Flexibilität: Stundenweises und kurzfristiges Mieten, eine Vielzahl von Ausleihstationen, größere Fahrzeugflotten mit unterschiedlichen Modellen und häufig günstigere Preise machen das Leihen der Fahrzeuge schon recht komfortabel.

Es ist und bleibt jedoch noch herkömmliches Carsharing. Die Fahrzeuge müssen an einer Ausleihstation abgeholt und in der Regel auch genau zu dieser Station zurückgebracht werden.

Überzieht der Mieter seine Leihzeit, kommen häufig hohe Extragebühren auf ihn zu, da der mögliche Nachfolgemieter auf sein Auto warten muss. Auch die Preisstruktur setzt sich in der Regel aus einer Zeit-/Entfernungskombination zusammen.

In der modernsten Variante ist immerhin der Sprit schon im Gesamtpreis enthalten und häufig muss auch keine Monats- oder Aufnahmegebühr mehr bezahlt werden.
Doch was zeichnet car2go aus und macht es so besonders, dass es tatsächlich als Mobilitätskonzept oder um in der Reihenfolge zu bleiben, als „carsharing 2.0“ bezeichnet werden kann?

Es gibt zunächst keine Kaution, monatliche Grundgebühr, Aufnahmegebühr oder kostenpflichtige Mitgliedschaft. Die Fahrten werden ausschließlich nach Zeit und nicht nach Strecke abgerechnet.

Dabei sind sämtliche Kosten im Minutenpreis enthalten, also Steuern, Versicherung, Sprit und sogar das Parken auf besonders gekennzeichneten Parkflächen z.B. in der Innenstadt. Es gibt dabei nur ein einziges Automodell – im Pilotprojekt in Ulm den smart fortwo cdi.

Der Kunde hat die absolute Freiheit

Das wichtigste jedoch ist die umfangreiche Freiheit im Mietprozess:

Es gibt keine Abhol- und Rückgabestationen.

Das car2go kann an einem beliebigen Ort spontan – quasi im Vorbeigehen – oder auf Wunsch auch mit Vorbuchung über Handy oder Internet angemietet und an einem beliebigen Ort innerhalb des Geschäftsgebietes zurückgegeben werden.

Kann der Kunde vor seinem Haus öffentlich und kostenlos parken, dann kann er das car2go dort abstellen und die Miete beenden. Es bleibt dann dort, bis es der nächste Kunde anmietet.

Der zweite große Unterschied ist die zeitliche Flexibilität: Der Kunde muss sich nicht vorher festlegen, wie lange er das car2go nutzen möchte. Er verfügt völlig selbstständig über die Nutzungszeit und beendet nach seinem Ermessen die Miete.

Es gibt keine Strafen für zu langes oder zu kurzes Mieten, wie bei der klassischen Variante.

Es wird stets nur die reine Nutzungsdauer abgerechnet, d.h. der Kunde zahlt nur die Zeit, die er das Fahrzeug mietet und kann bei jeder Fahrtunterbrechung entscheiden ob er die Miete weiterlaufen lässt (und damit weiterhin Zugriff auf das Fahrzeug hat) oder die Miete beendet und das car2go für den nächsten Nutzer freigibt.

Dieser grundsätzlich andere Ansatz rechtfertigt schließlich die Bezeichnung von car2go als einem zukunftsweisenden neuartigem und intelligentem Mobilitätskonzept – oder eben: carsharing 2.0.

Wo sind eure Lieblingsorte an denen ihr das car2go anmietet und nach eurer Fahrt wieder abstellt?