1 Jan 2018
BIG PICTURE

Wie sieht die Stadt der Zukunft aus?

Die Stadt der Zukunft. Das Auto der Zukunft. Die Zukunft von … An Visionen – nicht nur aus Hollywood und dem Silicon Valley – mangelt es nicht. Doch was heißt das ganz konkret? Für jeden? Z.B. hier in Stuttgart…?

Wünsch Dir was

Glücklich wollen wir sein. Und natürlich gesund. Familie und Freunde sollen in der Nähe sein. Natürlich sollte es möglich sein, jederzeit schnell an jeden Ort zu kommen. Viele Restaurants, und Läden hätten wir gerne um uns – genauso wie intakte Natur. Friedliches Zusammenleben in Wohlstand? Ja sicher, das wäre auch wichtig.

So oder so ähnlich beschreiben die meisten Leute ihre Wünsche vom Leben in Zukunft. Fragt man ein bisschen genauer, erhält man aber sehr unterschiedliche Vorstellungen davon, wie das genau aussehen könnte: Vom Häuschen im Grünen bis zum Leben im futuristischen Wolkenkratzer, vom Traum von der Stadt ohne Autos bis hin zu Reisen ins All.

Doch wie bringt man diese Wünsche in Einklang? Insbesondere wenn sich die Erfüllung der Wünsche teilweise gegenseitig ausschließt?

Neues Leben für das Eiermann-Areal

Wo könnte man die Frage „Wie wollen wir in Zukunft leben?“ besser diskutieren als an einem Ort, der schon mal die Zukunft war: auf dem Eiermann-Areal in Stuttgart. Früher diente das Gelände der IBM als Hauptquartier und galt als eines der modernsten Bürogebäude seiner Zeit. Im Moment mutet die Ikone der Architekturmoderne eher an wie ein Relikt aus längst vergangenen Zeiten: Verlassene Bürogebäude im Schatten der Autobahn.

Virtueller Rundgang im alten Eiermann-Areal

Doch der Campus möchte wieder die Zukunft werden – mit neuen Konzepten des Lebens und Arbeitens. Das erklärt der Münchener Architekt Johann Spengler bei der Conmedia, einem Event, bei dem Studierende der Hochschule der Medien ihre Vision für das urbane Stuttgart im Jahr 2050 entworfen haben.

Was macht eine Stadt lebenswert?

Auf dem Gelände soll ein neues Viertel entstehen – konzipiert nach den wichtigsten Erkenntnissen für eine lebenswerte, nachhaltige Stadt. Wichtige Faktoren – darin sind sich die Experten weltweit einig – sind hier beispielsweise die Bevölkerungsdichte oder eine enge Verflechtung von verschiedenen Nutzungszwecken wie Arbeit, Wohnen und Einkaufen. So können lebendige Städte entstehen, in denen Menschen gerne leben und arbeiten.

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Das alte bzw. geplante Eiermann-Areal (Quelle: http://garden-campus.de/)

Das Konzept ist nicht wirklich neu: Städte wie Paris oder Wien, aber auch näher gelegene Stadtteile wie München-Haidhausen oder der Stuttgarter Westen sind nach diesen Prinzipien gebaut.

Lösungen für teurer und knapper werdenden Wohnraum

Für viele Menschen sind solche Stadtteile der Inbegriff von modernem Leben – deswegen ziehen sie immer mehr Menschen an. Das hat jedoch dazu geführt, dass sich die Immobilienpreise hier inzwischen stark erhöht haben und das Leben dort für Viele unerschwinglich wird.

Deswegen macht man sich schon länger Gedanken darüber, wie man Raum in solchen Gebieten effizienter nutzen kann, so dass für eine bezahlbare Miete ähnlicher Komfort entstehen kann wie in einer größeren Wohnung.

Robotik als Wohnraum-Wunder

Eine neue Dimension in diese Diskussion bringt der Einsatz von Robotik mit sich, denn mit ihrer Hilfe lassen sich sich Appartments automatisch vom Wohn- zum Schlafzimmer verwandeln. Das begrenzte Raumangebot dieser Micro-Apartments wurde bei der Conmedia illustriert.

Doch auch wenn diese Wohnform für manche Besucher beengend wirkte, waren viele von der Flexibilität des Wohnraums sehr angetan und könnten sich gut vorstellen, so zu leben.

Temporäres Zuhause-Gefühl für Jedermann und überall

In Kombination mit Gedanken aus der Sharing-Economy eröffneten sich weitere interessante Perspektiven: Die Teilnehmer schätzten sehr, dass man an vielen Plätzen der Welt ein temporäres Zuhause haben könnte. Dank Roboter-Technik könnte es sich sogar an die aktuellen Bedürfnisse seiner Bewohner anpassen.

Neuer Lebensstil

Das wiederum könnte dazu führen, dass mehr Menschen einen neuen Lebensstil pflegen und sie nur temporär an einem Ort sind. Das dient möglicherweise der interkulturellen Verständigung und dem Wissensaustausch und reduziert auch noch den täglichen Verkehr in der Stadt. Was passiert aber mit dem sozialen Gefüge in der Stadt? Wie entwickeln sich Verkehrsströme außerhalb der Stadt? Welche Effekte hat dies auf die Lebensqualität?

Langfristiger Effekte schwer vorhersehbar

Die Entwicklung der Stadt der Zukunft ist offenbar ziemlich komplex, denn gute Ideen wie dichtere Städte oder autonome Autos haben oft langfristige Effekte, die man lieber vermeiden würde. Leider fällt es enorm schwer, diese Effekte zu verstehen und sich vorzustellen, wie sich neue Ideen und Technologien auf das Leben auswirken – und ob man das für erstrebenswert hält.

Noch gibt es relativ wenige Werkzeuge, um diese Fragestellungen einfach verständlich zu machen und verschiedene Zukunftsbilder zu diskutieren. Allerdings können nur so Interessenskonflikte früh erkannt, auf breiter Basis diskutiert und gelöst werden.

Conmedia als Diskussionsplattform

Quelle: Conmedia

Bei der Conmedia wurden einige Szenarien durch Filme, Interviews und Beiträge sichtbar gemacht und die Besucher diskutierten im Anschluss noch lange über das Leben in der Stadt der Zukunft.

 

Wie stellst Du Dir das Leben in der Stadt der Zukunft vor? Und was passiert, wenn alle anderen auch so leben wollen?