9 Dez 2017
BIG PICTURE

Welche Science-Fiction Verkehrsmittel wird es wirklich geben?

Ideen, wie wir uns in Zukunft fortbewegen können, haben nicht nur Ingenieure – auch in Science-Fiction Werken kann man Inspiration dazu finden. Die Zukunftsforscherin Marianne Reeb wagt einen Blick in die Glaskugel und verrät, welche Konzepte uns vielleicht wirklich irgendwann bewegen werden.

Marianne, wovon hängt es denn eigentlich ab, ob eine Fantasie Realität wird?

„Inspiration zu möglichen Szenarien kann man sich natürlich an vielen Stellen suchen. Auch in der Science Fiction.

Wobei deren Ideen meist sehr weit in die Zukunft orientiert sind und oft eher Utopien sind und bleiben.

Zukunftsforscher hingegen erarbeiten mögliche Trends auf der Basis einer Reihe noch greifbarer Aspekte wie: was sind aktuelle Trends und wie wird sich die Welt basierend darauf entwickeln?

Hier schauen wir auch auf andere Branchen wie Architektur und Verkehrs- und Stadtplanung, aber auch auf die zeitgenössische Kunst, denn gerade die Wechselwirkung zwischen verschiedenen Entwicklungen zeigt dann eine bestimmte Richtung auf.

Die wichtigste Frage bei der Entwicklung eines Trends ist allerdings nicht mal, ob die Technologie die entsprechende Idee möglich macht, sondern ob sie den Menschen nützt. Denn nur dann werden sie ihn weitreichend annehmen.

Und dann braucht es natürlich auch viele Mütter und Väter für den Erfolg eines Trends – ein vorzeigbarer erster Ansatz, der zum richtigen Zeitpunkt einen Nerv trifft und über agiles Testen durch viele umgesetzt wird.“

 

Ok, das heißt, manche Ideen bleiben Träume – aber manche können auch Wirklichkeit werden. Lass uns den Check machen:

Wie sieht das beispielsweise konkret bei Drohnen, die Menschen transportieren, aus?

„Diese Personen-Drohnen wird es definitiv geben. Allerdings wird dies keine Massenoption sein.

Zwar hat jeder schon mal den Tagtraum statt im Stau zu stehen einfach davon zu fliegen, aber wenn man beispielsweise daran denkt, wie Helikopter abheben und sich bewegen, wird das nicht so einfach gehen.

Außerdem gibt es einen großen Trend in Städten hin zu mehr Ruhe und damit größerer Lebensqualität. Drohnen machen Krach und passen da eher nicht rein.

Ich denke, dass diese Transportart in der Zukunft für dringende Dinge eingesetzt werden kann – wie Krankentransporte oder sehr drängende Erledigungen. Auch könnten Gebiete, in denen Mobilität am Boden mit einem Sicherheitsrisiko verbunden ist, diese Drohnen sehr willkommen heißen.

Das wird auch deshalb so sein, weil diese Drohen – zumindest zunächst – sehr teuer und damit eher Wohlhabenden vorbehalten sein werden.

Mein Fazit daher: Das wird kommen und Teil unserer Mobilität, aber es wird nicht zur Mainstream-Option.“

 

Wird es wirklich eins von diesen „Stau-Fahrzeugen“ geben, die sich bei Stau „zusammenklappen“ können und einfach über den Stau hinwegfahren können?

„Meiner Meinung nach könnte das tatsächlich der Bus oder die S-Bahn der Zukunft sein.

Städte sind weltweit auf der Suche nach einer praktikablen Nutzung dieser „3. Dimension“ – also dem Raum unmittelbar über der Straße.

Versuche, wie beispielsweise eine Autobahn höher zu bauen, haben nicht für Entlastung, sondern für mehr Verkehr gesorgt. Seilbahnen hingegen zeigen international gute Ergebnisse – auch wenn sie vielleicht eher nicht so spektakulär sind.

Heißt: Ob es jetzt unbedingt das Zusammenklappbare-Stau-Vehikel wird, ist schwer zu sagen. Fest steht aber, dass der Raum über der Straße, über dem Stau erschlossen werden wird.“

 

Wie sieht’s aus mit der Verbreitung des Hyperloops?

„Das ist schwer zu sagen, weil es außer ein paar ersten Tests noch nicht viel Info gibt. So ist beispielsweise noch nicht ganz klar, ob der menschliche Körper diese Art von Geschwindigkeit überhaupt (dauerhaft) aushält.

Auch müsste man noch ganz normale Aspekte drum herum klären – beispielsweise wie ein Ein- und Ausstieg geregelt werden kann.

Daher könnte das schon weiter verbreitet sein, aber vielleicht eher für den Transport von Gütern und eher nicht für Menschen oder Lebewesen.“

 

Werden wir denn demnächst alle die Möglichkeit haben weitere Strecken im All, z.B. zum Mars, zurückzulegen?

„Ganz klar: Das ist schon seit Ewigkeiten ein Menschheitstraum. Und es gibt ja auch einige Visionäre, Firmen und sogar Projekte, die sich schon heute damit weiter auseinandersetzen – aber nur sehr vereinzelt und elitär.

Und ehrlich gesagt rätseln wir ja auch bis heute, was uns die Mondfahrt so wirklich gebracht hat.

Ich denke, das Besiedeln von anderen Planeten und langfristige Reisen durch das All wird erst einmal eine Utopie bleiben. Und wenn es doch dazu kommt, dann ist es keine Lösung für die gesamte Menschheit auf der Erde, sondern maximal für einige wenige.“

 

Was denkst du zum Beamen oder zum Warp-Antrieb? Wird das irgendwann möglich sein?

„Ehrlich gesagt hätte ich aus technischer Sicht keine Idee, wie das klappen könnte. Das sind derzeit also pure Utopien.

Und sich an denen aufzuhalten bringt im Zweifel keinem etwas – stattdessen sollten wir realistisch überlegen, was ein nächster Entwicklungsschritt sein könnte.

Da passiert auch aktuell an vielen Stellen viel: Aufzugshersteller überlegen beispielsweise, wie sie auch in die Vertikale gehen könnten oder Transportunternehmen überlegen, wie sie first und last Mile Anschlüsse hinbekommen können.“

 

Vielen Dank für den Ausblick, Marianne!

Auf welchen Antrieb / auf welches Transportmittel der Zukunft hättest du am meisten Lust und warum? Sag es uns in den Kommentaren!