28 Aug 2017
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Erste Hilfe und die große Frage: was wenn ich etwas falsch mache?

Das Thema Erste Hilfe ist ein heikles. Eigentlich will jeder helfen und dabei möglichst auch das Richtige tun. Aber was wenn man sich unsicher ist? Der ehrenamtliche Rettungssanitäter Malte hat Antworten auf diese und weitere Fragen.

 

Oft haben Menschen Hemmungen erste Hilfe zu leisten aus Angst, einen Fehler zu machen. Wie ist deine Einschätzung dazu, ist diese Angst begründet?

 

Malte: Diese Angst ist für mich total nachvollziehbar, schließlich gerät man unvorbereitet in eine Extremsituation.

Auch mir geht es erst einmal so, wenn ich privat, ohne Rettungswagen, an einen Unfall heranfahre.

ABER: Diese Angst sollte unter keinen Umständen der Grund sein nicht zu helfen.

Natürlich muss erst mal die erste Schrecksekunde überwunden werden, dann sollte man aber versuchen in den „Modus des Helfens“ hineinzukommen.

 

Anders herum gefragt, welche gesetzlichen Verpflichtungen gibt es? Was MUSS an Erster Hilfe geleistet werden?

Malte: Es ist ganz eindeutig gesetzlich geregelt, dass sich der strafbar macht, der nicht hilft. Jemandem in einer Unfallsituation zu helfen, hat viel mit Menschlichkeit und Zivilcourage zu tun. Das ist mir in jedem Fall noch wichtiger als die Verpflichtung dahinter.

Denn grundsätzlich kann jeder helfen, auch ohne medizinische Kenntnisse. Es gilt: Jede Hilfe ist besser, als keine Hilfe.

Oft reicht es, wenn man für den Verletzten da ist, an ihn herantritt und ihm vermittelt, dass er nicht alleine ist, sondern jemand da ist, der die Situation unter Kontrolle hat und bereits einen Notruf abgesetzt hat.

Wie viel Hilfe geleistet werden muss, ist nicht eindeutig geregelt. Solange der Helfende nach bestem Wissen und Gewissen handelt, wird von ihm nicht mehr erwartet als er aus physischer und psychischer Sicht leisten kann.

Übrigens, erleidet man als Ersthelfer einen materiellen Schaden, wenn zum Beispiel ein teurer Anzug beim Erste Hilfe leisten kaputt geht, gibt es die Möglichkeit diesen Schaden ersetzt zu bekommen. Dafür kann entweder die Versicherung des Unfallverursachers aufkommen oder der gemeindliche Unfallversicherungsträger.

 

Kann man auch dafür belangt werden, wenn man etwas falsch macht?

Malte: Als Laie hat man vom Gesetzgeber aus einen Schutz – ein Ersthelfer kann nicht zur Verantwortung gezogen werden, wenn etwas schief geht.

Wenn man nicht absichtlich falsch handelt, dann muss man hier nichts befürchten.

 

Wenn man nun Ersthilfe leisten will und als erste Person an einen Unfall heranfährt – was ist dann erst einmal das Wichtigste?

Malte: Das Allerwichtigste ist sicherzustellen, dass man selbst beim Helfen nicht gefährdet wird – nur wenn es mir als Helfer gut geht und ich selbst nicht verletzt werde, kann ich Hilfe leisten.

Mein Tipp ist: wenn man an die Unfallstelle kommt, erst einmal tief ein- und auszuatmen, bis zehn zählen und sich dann einen Überblick über die Situation zu verschaffen.

Eine typische Situation, die für mich als Helfer gefährlich werden könnte, ist zum Beispiel fließender Verkehr auf der Autobahn.

Wenn andere Autos an dem Unfall vorbei brettern, ist das für mich nicht sicher und es könnte im schlimmsten Fall sogar ein Folgeunfall verursacht werden.

In diesem Fall ist es wichtig die Unfallstelle erst einmal abzusichern. Warnblinker, Warnweste und Warndreieck kommen dann zum Einsatz.

 

Was würdest du Leuten mitgeben, für die Situation in der sie unsicher vor einem Verletzten stehen und nicht wissen ob, wie und was sie tun sollen?

Malte: Den Notruf 112 anrufen und sagen, dass man an einer Unfallstelle steht und helfen möchte, aber nicht so recht weiß, was zu tun ist.

Die Disponenten in den Leitstellen sind geschult Anweisungen über das Telefon zu geben, wenn es die Situation zulässt.

 

Danke Malte!

 

Wart ihr schon einmal in so einer Situation? Was sind eure Erfahrungen und Tipps, die ihr weitergeben könnt?