Kommunal-Wahlkampfauftakt der Grünen in Ulm. Was eignet sich zum Trommeln besser, als das in aller Munde befindliche Mobilitätskonzept car2go aufzugreifen und mit einem bike2go Aktionsprogramm Aufmerksamkeit zu erregen?
In der Ulmer Südwest-Presse las sich das zunächst wie eine Gegenveranstaltung zu car2go („bike2go statt car2go“) – kann aber so sicherlich nicht gemeint sein. Schließlich greift car2go die Idee des carsharing in einer sehr modernen Form auf und entspricht damit nicht nur einem Beschluss der Bundesdelegiertenkonferenz der Grünen vom November 2008, in dem carsharing als wichtiger „Beitrag zur ökologischen Erneuerung des Verkehrssystems und zur Entwicklung einer neuen und stadtverträglichen Mobilitätskultur“ ausdrücklich begrüßt wird. Auch im Ländle selbst schreibt die Grüne Landtagsfraktion Baden-Württemberg in einem „Grünen Autopapier“: „Der Einstieg von Autoherstellern in das Car Sharing ist sowenig abzulehnen wie die Einführung von Biolebensmitteln in Supermärkten.“ Also kein Widerspruch von bike2go und car2go.
Wir sind auf jeden Fall mächtig gespannt und drücken die Daumen, dass das Konzept erfolgreich ist. Anstatt einen Gegensatz der Konzepte zu konstruieren, scheint nämlich ein sinnvolles Miteinander erste Wahl zu sein. Auf diese Art und Weise entwickelt sich Ulm allmählich zur Vorzeige- und Modellstadt neuer Mobilitätskonzepte, von dem alle profitieren können. bike2go und car2go können sich so auf sinnvolle Weise ergänzen und den Mobilitätsmix in Ulm bereichern. Dem Projekt bike2go von dieser Stelle aus: Gutes Gelingen!
“Zeit ist Geld oder: car2run“ titelte die Ulmer Südwest-Presse am Montag (20.04.2009) auf der ersten Seite des Lokalteils und regte damit eine interessante Diskussion an. Im Artikel wurden schon Formel1 Verhältnisse auf Ulms Straßen prognostiziert. These: die 19 cent pro Minute, welche die Nutzung von car2go kostet, ergeben zusammen mit dem schwäbischen Hang zur Sparsamkeit eine verhängnisvolle Mischung. Familienstreits, Verstöße gegen die Straßenverkehrsordnung, Gesundheitsschäden durch Stress und in der Hektik in der Autotür eingeklemmte Finger – alles durch die Preisstruktur von car2go verursacht?
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Ist car2go ganz gewöhnliches carsharing – wie es manchmal zu lesen ist – oder doch eine grundlegende Weiterentwicklung des gemeinschaftlichen Autoteilens, die es rechtfertigt von einem neuartigen Mobilitätskonzept zu sprechen?
Schauen wir uns zunächst das „klassische“ carsharing (gewissermaßen die Version 1.0) an:
In Deutschland seit 1988 präsent, ist es hierzulande oft hervorgegangen aus der Ökologiebewegung. Neben einigen großen carsharing Organisationen wie Stadtmobil, cambio carsharing, Greenwheels oder der Deutschen Bahn (DB Carsharing) gibt es viele kleinere Organisationen, häufig mit Vereinscharakter. Diese kleinen Organisationen haben in der Regel auch nur kleine Fahrzeugflotten. Die Fahrzeuge sind auf fest angemieteten Parkplätzen über eine Stadt oder einen größeren Ort verteilt, häufig an gut erreichbaren Knotenpunkten. Die Fahrzeuge müssen vorab reserviert werden und die Nutzer beteiligen sich meistens über eine Aufnahmegebühr und/oder Monatsbeiträgen an den anfallenden Anschaffungs- und Unterhaltskosten. Wollen die Kunden (oder Mitglieder) das carsharing nutzen, müssen sie den genauen Nutzungszeitraum und das gewünschte Fahrzeug angeben und zu einer bestimmten Ausleihstation gehen, von der sie das Fahrzeug mitnehmen und nach Gebrauch auch wieder abstellen.
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