Den Titel meines letzten Blogbeitrags könnte ich eigentlich schon wieder verwenden: „Ein Höhepunkt jagt den anderen“. Seit August hat sich bei car2go einiges getan. Die Zahl der Städte auf unserer Weltkarte hat sich verdoppelt. Aus vier wurden acht, darunter seit dieser Woche auch zwei Städte, in denen reine Elektroflotten am Start sind. Um den Überblick zu behalten, heute also eine kleine, chronologische Zusammenfassung aller Neuigkeiten:
San Diego
(300 car2go electric drive seit 19. November 2011)
Am 19. November hat in San Diego ein großes Fest stattgefunden. Bürgermeister Jerry Sanders hieß das car2go Team willkommen und alle interessierten Einwohner hatten die Chance, ein elektrisches car2go Probe zu fahren. Mittlerweile haben sich einige hundert Kunden registriert und wir sammeln unsere erste Erfahrung mit der rein elektrischen Flotte.
Amsterdam
(300 car2go electric drive seit 24. November 2011)
Am Mittwoch gab es den Startschuss in Amsterdam. Der Schlüssel für die erste Fahrt wurde an Luud Schimmelpennink übergeben, Erfinder des berühmten Amsterdamer Witkar und damit eine Ikone in der Geschichte des elektrischen Carsharings. Unser Angebot wird in den Online-Netzwerken und Medien heiß diskutiert. Hier ein interessanter Videobeitrag von Eric Beauchemin für Radio Netherlands Worldwide, der sich auf die Spur des Carsharings in Amsterdam begeben hat. Unser Lieblingszitat: “Sometimes you have to invest in a dream …”

Location Manager Mohamed El Maknouzi übergibt die Mitgliedskarte für die erste car2go Fahrt in Amsterdam an Carsharing-Ikone Luud Schimmelpennink.
Wien
(500 car2go mhd ab Dezember 2011)
Für Wien haben wir die zurzeit größte car2go Flotte mit 500 Fahrzeugen geplant. Der car2go Shop in der Hinteren Zollamtsstraße 9 ist fertig eingerichtet und die Promotionsteams sind unterwegs. Anfang Dezember werden die Fahrzeuge sukzessive in den Straßen verteilt und am 5. Dezember werden die Mitgliedskarten der bereits registrierten Kunden freigeschaltet. Die Fahrzeuge können ab diesem Datum im 80 Quadratkilometer großen Geschäftsgebiet angemietet werden. Als Dankeschön für die Anmeldung in der Startphase gibt es übrigens 60 Freiminuten.
Lyon
(200 car2go mhd ab Januar 2012)
Lyon ist die Hauptstadt des zweitgrößten Ballungsraums in Frankreich genannt Grand Lyon. Aus Mobilitätssicht ist sie besonders bekannt für die Einführung des öffentlichen Fahrradverleihsystems Vélo’v (franz. Vélo = Fahrrad + engl. Love = Liebe/lieben) im Jahr 2005 mit dem Ziel, den Innenstadtverkehr zu entlasten. Wir denken, dass car2go eine sehr gute Ergänzung der bereits bestehenden Transportmittel Fahrrad, Bus, Bahn etc. sein wird und freuen uns auf den Start im Januar 2012.

Gérard Collomb, Bügermeister der Stadt Lyon, präsentiert ein car2go auf der Lyon Motorshow im Oktober 2011.
Kommunal-Wahlkampfauftakt der Grünen in Ulm. Was eignet sich zum Trommeln besser, als das in aller Munde befindliche Mobilitätskonzept car2go aufzugreifen und mit einem bike2go Aktionsprogramm Aufmerksamkeit zu erregen?
In der Ulmer Südwest-Presse las sich das zunächst wie eine Gegenveranstaltung zu car2go („bike2go statt car2go“) – kann aber so sicherlich nicht gemeint sein. Schließlich greift car2go die Idee des carsharing in einer sehr modernen Form auf und entspricht damit nicht nur einem Beschluss der Bundesdelegiertenkonferenz der Grünen vom November 2008, in dem carsharing als wichtiger „Beitrag zur ökologischen Erneuerung des Verkehrssystems und zur Entwicklung einer neuen und stadtverträglichen Mobilitätskultur“ ausdrücklich begrüßt wird. Auch im Ländle selbst schreibt die Grüne Landtagsfraktion Baden-Württemberg in einem „Grünen Autopapier“: „Der Einstieg von Autoherstellern in das Car Sharing ist sowenig abzulehnen wie die Einführung von Biolebensmitteln in Supermärkten.“ Also kein Widerspruch von bike2go und car2go.
Wir sind auf jeden Fall mächtig gespannt und drücken die Daumen, dass das Konzept erfolgreich ist. Anstatt einen Gegensatz der Konzepte zu konstruieren, scheint nämlich ein sinnvolles Miteinander erste Wahl zu sein. Auf diese Art und Weise entwickelt sich Ulm allmählich zur Vorzeige- und Modellstadt neuer Mobilitätskonzepte, von dem alle profitieren können. bike2go und car2go können sich so auf sinnvolle Weise ergänzen und den Mobilitätsmix in Ulm bereichern. Dem Projekt bike2go von dieser Stelle aus: Gutes Gelingen!
Ist car2go ganz gewöhnliches carsharing – wie es manchmal zu lesen ist – oder doch eine grundlegende Weiterentwicklung des gemeinschaftlichen Autoteilens, die es rechtfertigt von einem neuartigen Mobilitätskonzept zu sprechen?
Schauen wir uns zunächst das „klassische“ carsharing (gewissermaßen die Version 1.0) an:
In Deutschland seit 1988 präsent, ist es hierzulande oft hervorgegangen aus der Ökologiebewegung. Neben einigen großen carsharing Organisationen wie Stadtmobil, cambio carsharing, Greenwheels oder der Deutschen Bahn (DB Carsharing) gibt es viele kleinere Organisationen, häufig mit Vereinscharakter. Diese kleinen Organisationen haben in der Regel auch nur kleine Fahrzeugflotten. Die Fahrzeuge sind auf fest angemieteten Parkplätzen über eine Stadt oder einen größeren Ort verteilt, häufig an gut erreichbaren Knotenpunkten. Die Fahrzeuge müssen vorab reserviert werden und die Nutzer beteiligen sich meistens über eine Aufnahmegebühr und/oder Monatsbeiträgen an den anfallenden Anschaffungs- und Unterhaltskosten. Wollen die Kunden (oder Mitglieder) das carsharing nutzen, müssen sie den genauen Nutzungszeitraum und das gewünschte Fahrzeug angeben und zu einer bestimmten Ausleihstation gehen, von der sie das Fahrzeug mitnehmen und nach Gebrauch auch wieder abstellen.
(weiterlesen…)