car2go betrat, als es im Oktober 2008 in Ulm startete, verkehrsplanerisches Neuland. Ein vergleichbar flexibles System spontan zu mietender Fahrzeuge gab es bis dahin nicht. Eine Frage, die sich seitdem immer wieder stellt, ist die der Fahrzeugverteilung im Stadtgebiet.
In der ersten Pilotphase kam es durch den internen Status (car2go war zunächst nur für Daimler Mitarbeiter des Standortes Ulm nutzbar) durchaus noch zu gewissen Ballungen: Tagsüber fanden sich zahlreiche der damals 50 car2go auf dem Besucher- oder Mitarbeiterparkplatz des Forschungszentrums auf dem Eselsberg wieder.
Seit Start der öffentlichen Nutzung im März 2009 und dem starken Anstieg der Nutzerzahlen, sind die 200 Fahrzeuge jedoch sehr gleichmäßig über das Stadtgebiet verteilt. Mit der Erweiterung des Geschäftsgebietes auf große Teile Neu-Ulms am 1. September 2009 stieg diese Diffusion weiter an.
Die Verteilung war dann dermaßen gleichmäßig, dass sich viele der mittlerweile 19.000 Kunden eine stärkere Ballung in den Hauptnachfragegebieten gewünscht hätten. Hier kam es teilweise sogar zu gewissen Nachfrageüberschüssen obwohl die Innenstadt natürlich auch ein Haupt-Anfahrtziel der car2go Kunden ist und entsprechend viele Fahrzeuge dort frei werden (aber auch entsprechend viele gebraucht werden…).
Da gezielte Umsetzungsfahrten weder ökologisch noch ökonomisch vertretbar sind, mussten andere Steuerungsinstrumente her.
Eine erste kurzfristige Maßnahme zur Behebung des Ungleichgewichtes war die Abschaffung der Tagespauschale zum 16. April. car2go fokussiert damit stärker auf seinen ursprünglichen Ansatz als innerstädtisches Kurzzeitmietprogramm und tatsächlich ist die Verfügbarkeit freier Fahrzeuge in der Innenstadt seitdem bereits spürbar angestiegen.
Eine zweite Maßnahme tritt nun zum 1. Juni mit einer Optimierung des Geschäftsgebietes in Kraft. Nicht von Kunden genutzte Gebiete – wie insbesondere die Ulmer und Neu-Ulmer Industriegebiete Donautal, Schwaighofen, Jungingen und Ulm-Nord gehören dann im Ganzen nicht mehr zum Geschäftsgebiet. Damit sie aber dennoch grundsätzlich von car2go Kunden angefahren werden können, wurden in diesen Arealen Sammelpunkte (sogenannte „Hubs“) eingerichtet, an denen die Fahrzeuge abgestellt und die Miete beendet werden kann.
Im Donautal ist dies die nördliche Spitze des Industriegebietes bis zur Hohner-/Steinbeisstraße, in Schwaighofen die Von-Liebig-Straße in Höhe der Mercedes-Benz-Niederlassung, ferner der Bereich um den Media-Markt (Otto-Hahn-Straße, Otto-Renner-Straße, Leibnizstraße) und das Evobus-Areal.
Auch von dieser Maßnahme werden positive Auswirkungen auf die car2go Verfügbarkeit in den Bereichen mit der größten car2go Nachfrage erwartet.
Die geplante Aufstockung der car2go Flotte auf dann 300 Fahrzeuge im Herbst dieses Jahres wird sicherlich die optimale Verteilung noch weiter verbessern.
Eine aktuelle Karte des Geschäftsgebietes und der speziellen car2go Parkplätze findet sich hier….
Dieser Beitrag wurde am Dienstag, 01. Juni 2010 um 13:24 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie Das Unternehmen, car2go abgelegt. Sie können die Kommentare zu diesem Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Sie haben die Möglichkeit, einen Kommentar zu hinterlassen oder einen Trackback von Ihrem Weblog zu senden.
1. andreas
Kommentar vom 08. Juni 2010 um 12:37
Ich hatte, ohne das jetzt belegen zu können, eher den Eindruck, dass zum Beispiel bei mir in Wiblingen es tagsüber oft sehr schwer bis manchmal gar nicht möglich war, ein Fahrzeug zu bekommen, während das Donautal teilweise regelrecht von car2go Smarts zugepflastert war. War es dann nicht eher so, dass die ‘Donautal Smarts’ frühmorgens dorthin gefahren wurden und dann abends nach Schichtende wieder zurück im Stadtgebiet verteilt wurden und das dann insgesamt eher unlukrativ für car2go war, da die Fahrzeuge dann tagsüber für die Nutzung der meisten anderen nicht besonders gut erreichbar waren? Mir kommt die Begründung “nicht von Kunden genutzte Gebiete” jedenfalls nicht ganz ehrlich vor.
2. Thomas Schwarz
Kommentar vom 08. Juni 2010 um 21:14
Na ja, leider musste ich heute (bereits zum zweiten Mal) erleben, dass die Autos zumindest zum Teil nur virtuell verteilt sind!
Was ist passiert? Wichtiger Termin heute Abend, also Auto auf 18:15 Daimler Besucherparkplatz reserviert. Kurz vor 18 Uhr angekommen. Ohh kein Auto auf dem Parkspot. Egal dachte ich, steht in der Nähe. Dann kommt die SMS und ich hab den Standort im Web gecheckt. Aber das Auto ist nicht da wo es laut Karte und SMS sein soll. Hotline angerufen (teuer). Keine Hilfe. Nur keine Stornogebűhren. Super Danke auch. Abend ist gelaufen (ich űbrigens auch).
Schwer entäuscht, hätte eigentlich erwartet dass die den wirklichen Standort per GPS feststellen können. Und mir dann unbűrokratisch helfen, falls es zu weit weg ist. Aber nein man lässt einen buchstäblich im Regen stehen
3. Andreas Leo
Kommentar vom 09. Juni 2010 um 11:55
@andreas: Vielleicht wäre “kaum” oder “wenig” genutzte Gebiete in der Tat die bessere Formulierung. Die Beobachtung ist dahingehend richtig, dass in den genannten Arealen die Fahrzeuge sehr lange Standzeiten hatten (teilweise über ein ganzes Wochenende hinweg) und natürlich an anderer Stelle der Stadt fehlten, in denen die Nachfrage vorhanden ist. Aus ähnlichen Gründen sind auch Wald- und Wiesenflächen innerhalb des Ulmer Stadtgebietes aus dem Geschäftsgebiet ausgeklammert. Wenn man die Kunden insgesamt sieht (also alle 19.000) oder die Zahl der täglichen Mieten (700 – 1.000), dann trifft die Aussage also durchaus zu :-). Für diejenigen Kunden, die dennoch die genannten Gewerbegebiete anfahren wollen, haben wir Sammelpunkte innerhalb oder am Rande der Areale geschaffen, in denen die Miete beendet werden kann.
4. horst
Kommentar vom 26. August 2010 um 00:49
Wird sich kaum was dran ändern lassen das die Kugeln nachts in den Wohn und tagsüber in den Gewerbegebieten stehen. Anhebung der Tagespauschale auf 119 verhindert nur ein paar Flatratefahrten quer durch Deutschland, die machen aber eh kaum was aus.
5. Hans Layer
Kommentar vom 08. Oktober 2010 um 22:34
…ist ja eigentlich logisch, daß sich in der Innenstadt schneller ein Nachmieter für ein freies Car findet als in einer abgelegenen Wohngegend – das lässt sich grundsätzlich kaum ändern. Mehr wirklich freie Wägelchen wären eine Lösung – warum dann nicht die widersinnige Reservierung abschaffen ? Sie bewirkt letztlich nur eine verlängerte Ruhezeit – der dann zuerst erstmal gefühlte Nachteil wird aufgehoben durch mehr freie Fahrzeuge. Die Grundidee ist doch, daß alle möglichst intensiv unterwegs sind und nicht unnutzbar reserviert gelb vor sich hinblinken… Wer zuerst kommt, fährt zuerst !!