Everything is bigger in Texas…..(1)

…nur die car2go haben selbstverständlich die gleiche Größe wie (diejenigen) in Ulm!

Beim Anflug auf die texanische Hauptstadt Austin schweift mein Blick erwartungsvoll über Wiesen, Straßen und kleine Wohngebiete in der Nähe des Flughafens. Neben meiner Neugier auf das, was mich in den nächsten acht Tagen erwarten wird, befinden sich auch einige Klischees über Texas im Gepäck, die ihren Ursprung selbstverständlich in diversen Spielfilmen und Fernsehserien haben. Vor dem Flughafengebäude werden drei dieser Vorurteile sofort vortrefflich bedient: Es ist sehr warm – über 24 Grad im November, eine kleine Anpflanzung von Agaven ist zu sehen und zwei Männer mit Cowboyhüten steigen – na immerhin ins Taxi und nicht auf ihre Pferde.
Die Skyline von Austin in der Abenddämmerung

Bei der Fahrt in die Stadt dann allerdings die Erkenntnis, das nicht alles größer ist in Texas. Die Stadt Austin wirkt verglichen mit anderen amerikanischen Städten eher klein, zumindest was die Skyline und die Durchschnittsgröße der Häuser angeht. Alles wirkt vom Maßstab her fast schon europäisch, die Palmen vor einigen Häusern und die Fassadengestaltung haben dagegen manchmal einen deutlich mittelamerikanischen Touch. “Austin is weird” – “Austin ist eigenartig” ist schließlich der Slogan der texanischen Hauptstadt.
Eindeutig im Süden.... car2go in Texas

Vor dem Hotel begrüßt mich dann die Heimat: ein car2go ist selbstbewusst vor dem Hoteleingang geparkt worden und sieht neben dem SUV eines anderen Hotelgastes fast zierlich aus. Dies führt direkt zu einer interessanten Frage, die immer wieder gestellt wird: Werden die Zweisitzer von den Texanern überhaupt angenommen? Die Antwort lautet schon nach dem ersten Tag eindeutig: “Ja!”
car2go in Austin

Das Interesse an den car2go, die bereits vor dem Projektstart an strategisch günstigen Stellen überall im Innenstadtbereich geparkt sind, ist enorm. Fast jeder Passant bleibt stehen und schaut interessiert ins Fahrzeuginnere. Auf Nachfrage hört man viele Superlative über den “cute” smart und erfährt, dass wohl schon einiges an Vorabinformationen über car2go an die Öffentlichkeit gesickert ist. Prima finden alle die unkomplizierte Abrechnung “by the minute” und die Tatsache, dass die Fahrzeuge überall im Downtown-Bereich angemietet und auch wieder abgestellt werden können. Das Parkprinzip ist in Austin sogar noch flexibler als in Ulm. Durch einen Vertrag mit der Stadt ist es möglich, sein car2go auf allen öffentlich bewirtschafteten Innenstadtparkflächen stehen zu lassen – “no need to feed the meters”, wie es in der Pressemitteilung heißt. Damit sich auch genügend Parkflächen finden, sind darüber hinaus rund 40 Stellplätze mit speziellen Schildern ausgezeichnet und exklusiv für car2go reserviert worden.
Schild zur Kennzeichnung von Parkplätzen, die speziell für car2go reserviert sind

Meine Erfahrung nach 8 Tagen Austin zeigt, dass es in der Regel kein Problem ist, einen Innenstadtparkplatz zu finden.
Im neuen modernen und voll klimatisierten car2go office ist ebenfalls schon eine Menge los, ständig kommen Besucher herein und wollen sich über car2go informieren. Der eine Besucher kommt mir merkwürdig bekannt vor in seinen Sandalen und der kurzen Hose: Will Wynn – im März noch Bürgermeister der Stadt Austin und einer der größten Fans des Projektes möchte sich registrieren lassen. Locker und freundlich werden die deutschen Teamkollegen begrüßt und Mr. Wynn nutzt die Gelegenheit, um sich über den Fortschritt in Ulm zu informieren.
Der ehemalige Bürgermeister von Austin, Will Wynn, informiert sich im car2go shop

In den nächsten Tagen laufen die Vorbereitungen für den Start auf Hochtouren. Eine konkrete Herausforderung besteht darin, die 200 car2go vom Händler in die Innenstadt zu befördern. Kurzerhand werden alle verfügbaren Kräfte, einschließlich einem halben Dutzend Studenten zusammengezogen und in einen eigens angemieteten Kleinbus gesetzt. Mit dem geht es zum smart Händler nach Round Rock, ca. 40 km nördlich der Stadt.
Einige von 200 smart fortwo vor ihrem Weg in die Innenstadt

Kurze Zeit später fährt dann eine kleine Kolonne von blau-weißen car2go über den Highway, zwischen riesigen LKW und den zahlreichen Pick-Up Fahrzeugen hindurch, nach Austin zurück und gleich in das Parkhaus neben dem Long Center of Performing Arts – Location der Pressekonferenz zum Projektstart. Auf diese Weise kann ich mich auch gleich mit den Fahrzeugen selbst vertraut machen – Schaltung und Tachoanzeige sind schon etwas anders als bei den Ulmer car2go – so gibt es in den hier verwendeten Modellen eine echte “P”-Stellung bei der Automatik und natürlich werden Meilen statt Kilometer angezeigt. Der Touchscreen hingegen ist das gleiche Modell und deshalb sind Navi und Radio schnell eingestellt.
car2go vor dem shop in Austin, Texas

Abends gibt es dann in einen der zahlreichen Tex-Mex- oder Barbecue-Restaurants die Bestätigung des nächsten Klischees: es stimmt – everything is bigger in Texas, zumindest die Portionen auf dem Teller und in den Getränkebechern.
(Fortsetzung folgt)

6 Comments

  1. 01.14

    Die Zeit in der mir bei dem Slogan everything is bigger in … Amerika (oder hier eben Texas) in den Sinn kam, ist lange vorbei.
    Heute ist es eher Dubai mit seinen urbanen Superlativen.
    Man schaue nur auf das gerade eröffnete höchste Gebäude der Welt.

    Wie der Autor ja schon sagt, Austin erinnert von seiner städtebaulichen Struktur eher an die Städte Europas. Aber dass man in Texas große Portionen auf dem Teller erwarten kann, habe ich mir schon gedacht. Frei nach dem Motto EAT BIG.

  2. 05.17
    Vincent

    Danke für den tollen Artikel :-).

  3. 06.01
    admin.leo

    Bitte sehr :-) In Kürze gibt es den dritten Teil mit Neuigkeiten aus Texas…

  4. 05.12

    Austin erinnert von seiner städtebaulichen Struktur eher an die Städte Europas.

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