Ist car2go ganz gewöhnliches carsharing – wie es manchmal zu lesen ist – oder doch eine grundlegende Weiterentwicklung des gemeinschaftlichen Autoteilens, die es rechtfertigt von einem neuartigen Mobilitätskonzept zu sprechen?
Schauen wir uns zunächst das „klassische“ carsharing (gewissermaßen die Version 1.0) an:
In Deutschland seit 1988 präsent, ist es hierzulande oft hervorgegangen aus der Ökologiebewegung. Neben einigen großen carsharing Organisationen wie Stadtmobil, cambio carsharing, Greenwheels oder der Deutschen Bahn (DB Carsharing) gibt es viele kleinere Organisationen, häufig mit Vereinscharakter. Diese kleinen Organisationen haben in der Regel auch nur kleine Fahrzeugflotten. Die Fahrzeuge sind auf fest angemieteten Parkplätzen über eine Stadt oder einen größeren Ort verteilt, häufig an gut erreichbaren Knotenpunkten. Die Fahrzeuge müssen vorab reserviert werden und die Nutzer beteiligen sich meistens über eine Aufnahmegebühr und/oder Monatsbeiträgen an den anfallenden Anschaffungs- und Unterhaltskosten. Wollen die Kunden (oder Mitglieder) das carsharing nutzen, müssen sie den genauen Nutzungszeitraum und das gewünschte Fahrzeug angeben und zu einer bestimmten Ausleihstation gehen, von der sie das Fahrzeug mitnehmen und nach Gebrauch auch wieder abstellen.
Häufig findet sich inzwischen gerade bei den größeren Anbietern wie dem in den USA erfolgreichem ZipCar, dem Sixti Car Club in Deutschland und der neuen DB Carsharing Variante „Flinkster“ auch die fortschrittliche Fassung des Carsharing (hier vielleicht als Version 1.5 zu bezeichnen). Die Verbesserung gegenüber der klassischen Variante ist die größere Flexibilität: Stundenweises und kurzfristiges Mieten, eine Vielzahl von Ausleihstationen, größere Fahrzeugflotten mit unterschiedlichen Modellen und häufig günstigere Preise machen das Leihen der Fahrzeuge schon recht komfortabel. Es ist und bleibt jedoch noch herkömmliches Carsharing. Die Fahrzeuge müssen an einer Ausleihstation abgeholt und in der Regel auch genau zu dieser Station zurückgebracht werden. Überzieht der Mieter seine Leihzeit, kommen häufig hohe Extragebühren auf ihn zu, da der mögliche Nachfolgemieter auf sein Auto warten muss. Auch die Preisstruktur setzt sich in der Regel aus einer Zeit-/Entfernungskombination zusammen. In der modernsten Variante ist immerhin der Sprit schon im Gesamtpreis enthalten und häufig muss auch keine Monats- oder Aufnahmegebühr mehr bezahlt werden.
Doch was zeichnet car2go aus und macht es so besonders, dass es tatsächlich als Mobilitätskonzept oder um in der Reihenfolge zu bleiben, als „carsharing 2.0“ bezeichnet werden kann?
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Es gibt zunächst keine Kaution, monatliche Grundgebühr, Aufnahmegebühr oder kostenpflichtige Mitgliedschaft. Die Fahrten werden ausschließlich nach Zeit und nicht nach Strecke abgerechnet. Dabei sind sämtliche Kosten im Minutenpreis enthalten, also Steuern, Versicherung, Sprit und sogar das Parken auf besonders gekennzeichneten Parkflächen z.B. in der Innenstadt. Es gibt dabei nur ein einziges Automodell – im Pilotprojekt in Ulm den smart fortwo cdi.
Das wichtigste jedoch ist die umfangreiche Freiheit im Mietprozess: es gibt keine Abhol- und Rückgabestationen. Das car2go kann an einem beliebigen Ort spontan – quasi im Vorbeigehen – oder auf Wunsch auch mit Vorbuchung über Handy oder Internet angemietet und an einem beliebigen Ort innerhalb des Geschäftsgebietes zurückgegeben werden. Kann der Kunde vor seinem Haus öffentlich und kostenlos parken, dann kann er das car2go dort abstellen und die Miete beenden. Es bleibt dann dort, bis es der nächste Kunde anmietet. Der zweite große Unterschied ist die zeitliche Flexibilität: Der Kunde muss sich nicht vorher festlegen, wie lange er das car2go nutzen möchte. Er verfügt völlig selbstständig über die Nutzungszeit und beendet nach seinem Ermessen die Miete. Es gibt keine Strafen für zu langes oder zu kurzes Mieten, wie bei der klassischen Variante. Es wird stets nur die reine Nutzungsdauer abgerechnet, d.h. der Kunde zahlt nur die Zeit, die er das Fahrzeug mietet und kann bei jeder Fahrtunterbrechung entscheiden ob er die Miete weiterlaufen lässt (und damit weiterhin Zugriff auf das Fahrzeug hat) oder die Miete beendet und das car2go für den nächsten Nutzer freigibt.
Dieser grundsätzlich andere Ansatz rechtfertigt schließlich die Bezeichnung von car2go als einem zukunftsweisenden neuartigem und intelligentem Mobilitätskonzept – oder eben: carsharing 2.0.
Dieser Beitrag wurde am Mittwoch, 15. April 2009 um 16:44 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie car2go abgelegt. Sie können die Kommentare zu diesem Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Sie haben die Möglichkeit, einen Kommentar zu hinterlassen oder einen Trackback von Ihrem Weblog zu senden.
1. Andreas Krey
Kommentar vom 15. April 2009 um 18:52
Ist das Auto Eisenbahn 2.0? :-) Man kann, wenigstens in Ulm, auch im klassischen Carsharing spontan losfahren; es kostet allerdings einen Anruf bei der Reservierungszentrale, und in der Tat eine Reservierung. Andererseits, wenn ich übers Wochenende wegfahre, wüßte ich schon gerne, daß ich da dann auch ein Fahrzeug sicher habe.
Insofern ist car2go erstens was anderes, und zweitens ein Experiment, das zum Leidwesen der ‘Konkurrenz’ auch von der Stadt mit durchaus geldwerten Vorteilen bedacht wurde.
Und so ein kleiner Carsharer kann die Stadt halt nicht mal eben mit 200 Autos fluten, wobei das Problem eben eher ist, geeignete Stellplätze zu finden als die Autos zum Draufstellen.
2. Daniel Kraft
Kommentar vom 15. April 2009 um 20:05
> “oder auf Wunsch auch mit Vorbuchung über Handy oder Internet angemietet [...] werden”.
Nicht ganz. Die Website ist auf keinem aktuellen Handy lauffähig. Die Buchung ist also über’s Handy nicht möglich.
Grund ist der exzessive Einsatz von Cookies und Javascript.
3. Peter Hirdina
Kommentar vom 17. April 2009 um 12:59
> Nicht ganz. Die Website ist auf keinem aktuellen Handy lauffähig.
Stimmt, die Website bekomme ich auf meinem Handy auch nicht dargestellt.
> Die Buchung ist also über’s Handy nicht möglich.
Es geraet zwar mehr und mehr in Vergessenheit, allerdings ist mir bis jetzt noch kein Handy untergekommen mit dem man nicht telefonieren konnte. Soll heissen, Du kannst auch telefonisch einen car2go Smart reservieren.
4. Daniel Kraft
Kommentar vom 17. April 2009 um 14:59
@Peter Hirdana
Hey, stimmt ;) Ich bin manchmal zu versessen auf die neuen Spielzeuge – da geraten solche Sachen in Vergessenheit ;)
5. MHH
Kommentar vom 19. April 2009 um 21:32
Das man telefonieren kann gerät schon in Vergessenheit, dass man allerdings leider auch noch horrende Gebühren vom Handy aus zahlen muss, leider auch. Vom Festnetz kostet ein Anruf 20cent/Anruf. Zumindest bei meinem Anbieter kommen aber noch ca 80cent/minute dazu. Dank Fritzbox kann ich zwar auch per Durchwahl über meinen Festnetzanschluss anrufen, was dann nur 9cent/minute sind, allerdings etwas umständlich.
6. Ferdi
Kommentar vom 27. April 2009 um 20:05
Leider kann ich mich mit meinem Firefox (Ubuntu 8.10) gar nicht auf der Webseite einloggen :(
Wenn man mit der Maus über den “Login”-Button geht erweitert sich um Benutzername und Passwort. Sobald ich dann die Maus nach unten bewege um das Feld auszufüllen klappt er jedoch wieder ein!
Die Webdesigner sollten da dringend nachbessern
7. Serdar
Kommentar vom 29. August 2010 um 04:28
Es gibt schon seit einiger Zeit einen Handybrowser der die Buchung auch beherscht. Opera Mobile 10, und nur dieser kein Mini oder die Version 9. Man muss nur den Textwahlmodus einstellen und schon kann man den Schieber verstellen. Leider gobt es diesen Browser im mom nur für Windows Mobile und Symbian.
8. ViataDeStrada.Com
Kommentar vom 09. März 2011 um 06:16
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9. Johnorton
Kommentar vom 27. April 2011 um 21:59
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