Als einer der 50 SWR3-Testpiloten durfte ich am Donnerstag, den 26. März beim Startschuß des auf ein Jahr angelegten Car2Go Feldversuchs teilhaben. Über die Aktion wurde schon Tage zuvor immer wieder im laufenden Radioprogramm berichtet. Die Bewerbung auf einen der begehrten Plätze konnte online auf der SWR3-Homepage erfolgen. Etwas mulmig war mir schon zumute dem Formular vertrauensvoll meine Führerscheindaten zu überlassen. Aber die Chance bei der Veranstaltung in exklusiver Rolle mit dabei sein zu dürfen überwog bei weitem. Jetzt hieß es abwarten und Daumen drücken.

Und ich sollte Glück haben! Am Abend des 24. März blinkte mir nach Feierabend fröhlich eine rot blinkende „01“ der Segmentanzeige meines Anrufbeantworters entgegen. Die Sprachnachricht enthielt dann auch tatsächlich die erhofften guten Neuigkeiten: „Hallo Herr Müller! XY von SWR3. Ich freue mich ihnen mitteilen zu dürfen, dass sie als Testfahrer ausgelost worden sind…“ Juhuuu!
Tags darauf wurde die Agenda des Tages per E-Mail verteilt. Diese sah das Eintreffen der SWR3-Hörer zwischen 09:00 und 10:00 Uhr im weltberühmten Richard-Meier-Gebäude (unserem Ulmer Stadthaus) vor, um die Anmeldeformalitäten abzuwickeln.
Mein morgendlicher Fußweg führte mich aus Richtung Platzgasse in Richtung Münsterplatz, wo mir auf Höhe Abt erstmal gehörig die Kinnlade herunterfiel. 100 Smarts in der für Car2Go typischen blau-weißen Optik parkten akkurat über den kompletten Münsterplatz verteilt und boten eine beeindruckende Kulisse. Und schon bereute ich es meine Kamera nicht mitgebracht zu haben. :-/
Kurz darauf beim „Einchecken“ wurde jeder Teilnehmer mit einem Ausweis „getaggt“, der den Zutritt zum „Café Stadthaus“ gewährleistete. Dieses stand für den Rest des Tages als feste Anlaufstelle zur Verfügung und entwickelte sich zum zentralen Anlaufpunkt.

Die Zeit bis zur Pressekonferenz wurde durch ein ausgiebiges zweites Frühstück überbrückt, das wie auch das spätere Mittagessen für die SWR3-Hörer komplett kostenlos war. Schnell fanden sich mehrere kleinere Grüppchen, die sich beim gemeinsamen Schlemmen über die bevorstehenden Ereignisse und auch über die bisherigen Erfahrungen mit Car2Go austauschten. Dabei verstanden es die Organisatoren eine lockere, gute Stimmung zu schaffen und Pflichtpunkte wie das Fotoshooting, Interviews und die Pressekonferenz stressfrei im Ablauf unterzubringen. Besonders positiv ist mir aufgefallen, dass bei der Einteilung für die Fahrzeugeinweisung auf die schon stattgefundene, natürliche Grüppchenbildung Rücksicht genommen wurde und nicht strikt nach irgendwelchen Namenslisten vorgegangen wurde.
Zur Mittagszeit fand dann schließlich die Pressekonferenz statt über die wohl anderweitig schon genug berichtet wurde, als dass ich das gesagte hier nochmals aufrollen müsste. Die Essenz aus der knappen Stunde Vorträge, Folien und Videos aus Übersee ist wohl am besten mit Stolz und Vorfreude zu beschreiben. Stolz ein innovatives Mobilitätskonzept zur Ergänzung der bestehenden Transportmittel hier in Ulm auf die Beine gestellt zu haben. Und Vorfreude aus dem Einsatz von Car2Go in der breiten Masse zu lernen.
Nach viel Applaus und einem sichtlich stolzen Car2Go-Team durfte der verbleibende Tag genutzt werden, die Autos in Ulm, um Ulm und um Ulm herum zu bewegen.

Ausgestattet mit 50€ Guthaben wählte ich mir den schönsten (*zwinker*) der 100 Smarts aus und startete den Mietvorgang. Doch ganz so reibungslos, wie beworben sollte es nicht klappen. Meine persönlichen Anlaufschwierigkeiten lagen jedoch nicht – wie man erwarten könnte – im generellen technischen Ablauf des Mietvorgangs oder der Fahrzeugreservierung, sondern waren von sehr viel individuellerer Art: ich konnte das – mit verlaub – vermaledeite Zündschloß nicht finden! Dieses befindet sich nämlich nicht etwa rechts vom Lenkrad, sondern versteckt sich feige zwischen den beiden Sitzen beim Schalthebel. Hat man diese Hürde überwunden kann die Fahrt aber ohne Probleme losgehen.
Meine erste Etappe führte mich zielstrebig vor die heimische Garage, wo ich kurz Halt machte um mich mit meiner Kamera zu bewaffnen. Wie eingangs erwähnt hatte ich diese morgens ja schon vermisst. Zurück am Münsterplatz angekommen habe ich mir dann erstmal eine halbe Stunde Zeit genommen ein paar Erinnerungsfotos zu schießen. Ein paar davon sind direkt auf diesen Seiten zu sehen, den Rest findet ihr auf meinen flickr-Seiten.

In den nachfolgenden Stunden bot sich den verdutzen Ulmern ein merkwürdiges Schauspiel. Es wimmelte in der ganzen Stadt von den kleinen blau-weißen Car2Go-Flitzern. Egal wo man abbog oder an welcher Kreuzung man stand, alleine fühlen musste man sich nie, denn hinter jeder Ecke lauerte schon der nächste Smart. Unweigerlich musste ich an die bekannte Szene aus dem Film „Die Thomas Crown Affäre“ denken in der dutzende mit Mantel, Melone und Koffer ausgestattete Personen wild durcheinander zu den Klängen von Nina Simones „Sinnerman“ durch eine Kunstgalerie wuseln (reinhören bei Youtube). Mit diesem Sound im Ohr bin ich also noch eine Stunde kreuz und quer durch die Stadt gefahren. Es hat sich zudem als nette Sitte herausgestellt, dass man sich als Car2Go-Fahrer freundlich grüßt. Eine nette Geste, die ich aus meiner Kindheit noch kenne wo dieser „Entengruß“ unter Fahrern des Citroen 2CV lange gepflegt wurde. Er könnte hier in Ulm unter der Car2Go-Community ein Revival erleben.
Dieser Beitrag wurde am Donnerstag, 02. April 2009 um 14:10 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie car2go abgelegt. Sie können die Kommentare zu diesem Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Sie haben die Möglichkeit, einen Kommentar zu hinterlassen oder einen Trackback von Ihrem Weblog zu senden.
1. Der Sonnenflüsterer» Blogarchiv » Car2Go
Pingback vom 10. April 2009 um 08:56
[...] ist natürlich, daß keine Elektro Smarts verwendet werden. Aber wenn ich mir den Blogbericht von Frank Müller anschaue, dann wird mir klar es darf nicht zuviel Neuerung auf einmal kommen. Frank hat Probleme [...]